Die Causa Christian W. Unser allseits geliebter, verehrter und hoch geschätzter Bundespräsident hat etwas getan was man nicht machen sollte. Oder vielleicht ist doch alles nicht so schlimm, wie die Kanzlerin meinte. Herr W. hat ihre uneingeschränkte Unterstützung und ist ein sehr guter Bundespräsident. Nun ja, das Gleiche hat Frau Merkel auch schon über den Copy-Baron 14 Tage vor seinen Rücktritt erklärt. Und über Bundesverteidigungsminister Jung 6 Tage vor seinem Rücktritt… also Vorsicht lieber Christian W., es könnte eng werden. Aber zurück zum Thema. Die Frage die wir uns stellen müssen ist ja: Was hat er denn nun wirklich getan?

Rein rechtlich gesehen nichts. Er hat sich scheiden lassen wie Millionen andere Deutsche auch, wieder geheiratet, ein Kind gezeugt und die Frau (und wahrscheinlich auch das Amt des Ministerpräsidenten) forderte ein Haus. Wie die letzten Penner in ´ner großen Wohnung zu leben geht ja schon mal gar nicht. Blöd wenn man nach einer teuren Scheidung kein Geld mehr hat für ein Haus, gut wenn man Millionäre als Freunde hat. Er lieh sich Geld, 500.000€ zu niedrigen Zinsen (niedriger als jeder Bankzins) von einer „Freundin“ und kaufte das Haus. Soweit so gut und es ist eben nix Rechtsrelevantes dabei. Auch ich habe schon 5.000€ (wie ihr seht fehlen da leider 2 Nullen) zu sehr niedrigen Zinsen an Freunde verborgt. Einen leichten Amigogeruch bekommt das Ganze allerdings weil es eben nicht die „erste Entgleisung“ des Herrn Wulff ist (und der Mann der „Freundin“ mit auf Reisen des Ministerpräsidenten gehen durfte und da super Geschäftskontakte anbahnen konnte). Massenweise kostenlose Urlaube bei seinen Millionärsfreunden (dagegen ist nichts zu sagen… also gegen die Freunde, ich hätte da auch gern ein paar ab), Air Berlin Affäre etc. und jetzt der Kredit und die Anzeigen von Herrn Maschmeyer (dafür das er mit der unerträglichen Ferres liiert ist kann er ja nix). Aber es ist eben alles nichts Strafbares dabei und wahrscheinlich auch nichts, was wir nicht auch tun würden oder schon getan haben. Die Aufregung ist defacto umsonst und nur ein Rauschen im Blättermeer mit möchtegern, hochgehypten Skandal. Und das er den Landtag vielleicht belogen hat… jo mei, wenn wir alle Politiker zurücktreten lassen würden die Lügen… wir hätten keine Politiker mehr.

Was bleibt also am Ende des Tages. Herr W. hat das Amt des Bundespräsidenten beschädigt. Hihihi… wie lustig. Der Bundespräsident hat keine Machtbefugnisse und ist einzig und allein dazu da die Bundesrepublik zu repräsentieren, Hände zu schütteln, Kinderköpfe zu streicheln, Sommerfeste zu geben und wenn möglich 1 – 2 mal in 5 Jahren eine halbwegs intelligente Rede zu halten.

Verwöhnt durch den wirklich guten Richard von Weizsäcker, der mit seiner Ausstrahlung, Intelligenz und dem aristokratischen Auftreten (dazu kommen noch intelligente Reden und Auftritte) Maßstäbe setzte, haben wir uns angewöhnt das Amt völlig über zu bewerten. Wir erwarten eine moralische Instanz des Bundespräsidenten, der sich defacto als „Wahlmonarch“ über alle Parteien hinwegsetzt, allem politischen Scharmützeln aus dem Weg geht und als Übervater wie ein gütiger Großvater weise und milde regiert. Blöd nur das er gar nicht regieren darf und immer ein Apologet der gerade regierenden Parteienkoalition (die ihn ja meist selbst ins Amt gebracht hat) bleibt.

Sei es der unterkühlte, rechtskonservative, neoliberale Herzog von der CDU („Ein Ruck muss durch Deutschland gehen“), der „Übervater“ der Nation Johannes Rau, der gleich mal gar keinen Eindruck bei den meisten hinterließ oder wieder von der CDU der ebenso neoliberale, ehemalige IWF-Chef Horst Köhler, der weder Reden halten konnte noch sich unter seinen Untertanen wohl fühlte, der aber beim Volke sehr verehrt wurde (warum weiß auch keiner mehr, wahrscheinlich wegen seinem Amt) und der sich dann wegen Kritik an seiner Person (früher hieß das Majestätsbeleidigung und man wurde hingerichtet) aus dem Amt flüchtete. Alles keine Überhelden als die der Mob sie gern sehen möchte sondern ganz normale Menschen mit Stärken (hm warum fallen mir die jetzt bei Wulff nicht ein) und Schwächen (da könnte ich jetzt viele aufzählen).

Ich finde aber, dass Herr Wulff bisher der absolute Tiefpunkt der Bundespräsidenten ist, an die ich mich erinnern kann. Ein Mann mit Ehre hätte mindestens nach dem blamablen 2. Wahlgang den Rückwärtsgang eingelegt. Gut muss man nicht, egal wie gewählt, mir ist nix zu peinlich. Seine Reden die er hält kreisen dezimiert immer um das Thema Integration (wichtig aber inzwischen langweilig weil dauerüberreizt), sind gähnend langweilig (wie er selbst) und er sollte dringend seine Schreiberlinge entlassen. Dass er eine gutaussehende Frau hat ist wohl der große Vorteil für ihn, so gewähren sie den Medien und dem Volke einen Hauch von Glammer der (sehr) weit entfernt an Royale Gegenstücke erinnert. Und seien wir doch ehrlich, lt. Umfrage würden 58 % der Deutschen gern einen König wieder haben wollen. Ich erspare mir jetzt die Royals aus England, Holland, Spanien, Schweden etc. auseinander zunehmen. Es hat einen guten Grund warum wir keinen König/Kaiser mehr haben, dabei sollte es auch bleiben. Wer möchte schon vom degenerierten Adel regiert werden (naja 62 % der Deutschen möchten Herrn zu Guttenberg wieder zurück und da wäre noch Ernst-August von Hannover – auch ein Niedersachse).

Zurück zu Wulff und dem Amt. Also ein bisschen wie ein König benimmt er sich schon… oder eher wie zu Guttenberg. Wenn ich nichts zu verbergen habe, kann ich ja auch alles sofort offenlegen. Aber, er macht das wie sein adliger Kollege immer häppchenweise (was grad eh schon in der Presse steht kann ich auch zugeben) unter dem Motto, dem dummen Volke kann man mehr nicht zumuten. Außerdem grenzt für Herrn W. die gesamte Kritik an seiner Person per se´ an Beleidigung im Amt, er ist schließlich wer im Staate (bloß was, siehe oben). Die Medien schreien, kreischen und haben ihren Jahresendskandal (lieber Spiegel, Stern etc. Skandale sehen anders aus) und das Volk ist nicht an einem Rücktritt interessiert. Aus gutem Grund. Ich glaube langsam setzt sich bei vielen die Erkenntnis durch, dass a) Herr Wulff eine Fehlbesetzung ist, aber b) keine wirkliche Alternative da ist die es besser machen könnte und nicht zu vergessen c) es würde ja wieder einer von der CDU gewählt. Und genau da sind wir ja bei dem wirklichen Problem. Diese Partei, die ja wirklich die Millionärsfreundlichste ist in Deutschland (nicht die oft gescholtene FDP, deren Klientel sind Apotheker, Anwälte, Notare…..), von Unmassen an Skandalen gebeutelt in den letzten Jahren und die auch noch einen hochverehrten lebenden Alt-Kanzler hat, der ungestraft gegen 12 Gesetze verstoßen hat und noch immer zu den Millionenspendern schweigt (und dafür bejubelt wird). Diese Partei unter Frau M. entwickelt sich mit ihrem unsäglichen Demokratieverständnis zu einer Gefahr für unsere Moral,  Ordnung und Werte. Das Beispiel Kohl habe ich grad genannt, Merkel findet nix dabei, dass ihr Verteidigungsminister betrügt, der Ministerpräsident in BW (Mappus damals noch im Amt) rechtswidrig Energiefirmen aufkauft, Bundespräsidenten in den Verdacht der Vorteilsnahme geraten (Verdacht ist gut), Ministerpräsidenten lassen sich (defacto ohne ausreichende Qualifikation) geradewegs vom Saarlandregierungschef ins Amt eines Bundesverfassungsrichters wählen etc. Und über allem steht das große „C“ in dem Parteinamen. Super. So etwas nenne ich Blasphemie (alle nach 1980 Geborenen unter Wikipedia nachsehen).

Fazit des Artikels. Ein Bundespräsident als Mensch ist auch immer Abbild der regierenden „Eliten“ oder besser Parteien, er sollte zwar ein moralisches Vorbild sein, aber die Zeiten sind wohl lange vorbei. Wir müssen anfangen, auch Herrn Wulff als das zu sehen was er ist: ein kleiner, unbedachter Mensch, aus kleinen Verhältnissen stammend, der gern mit den Großen und Reichen an einem Tisch sitzen möchte, der auch etwas Glanz abhaben will, am Ende aber doch nur am Katzentisch der wirklich Mächtigen sitzt und wie alle anderen Politiker scheitern wird. Das Ansehen des Amtes des Bundespräsidenten kann er nicht beschädigen. Es ist eh wertlos wie das einer Königin von England.

Oder wie sang schon die Ostberliner Band „Silly“ 1989: „Alles wird besser, alles wird besser  aber nichts wird gut“.