Also diese Jugend von heute, also wirklich. Nur PISA-Versager, Koma-Säufer, Drogenfreaks, Kiffer, lernunwillige, arbeitsscheue, gewalttätige und sozial unverträgliche Loser. Also wir waren da definitiv anders und der Staat hat mal wieder komplett versagt.

Ähm ja ich will das jetzt oben genannte eigentlich auch gar nicht bestreiten, Fernsehen und Medien schaffen es ja sehr erfolgreich seit Jahrzehnten die Menschen zu verdummen und vom selbstständigen Denken abzulenken. Aber gern würde ich mal ein paar sehr diskrete Anmerkungen dazu machen wollen. Nehmen wir doch einfach mal die Eingangssätze und vergleichen Sie gekonnt (wenn die Altersdemenz und die Verdrängung noch nicht zu weit voran geschritten ist) mit den Sprüchen unserer Eltern und Großeltern von vor…. na sagen wir – 30 Jahren. Klingelt es bei vielen?! Jaaa, Germany 0 Punkte… das hatten wir schon mal. Damals waren wir die verdorbene Jugend die nix taugte, aus der nie was werden würde und bei Adolf gab’s das schon mal gar nicht. Dabei ist ja aus den meisten saufenden, rauchenden, prügelnden, lernunwilligen, faulen und Faustan mit Cola-Wodka verzehrenden (für alle Wessis! War wie kiffen im Osten, wir hatten ja nichts. Seufz) Jugendlichen doch was Anständiges geworden. Gut einige sind Banker oder Politiker geworden, aber die meisten haben es zu wahren Stützen der Gesellschaft gebracht. Aber ich betone es gern noch mal, auch wir haben meist am Wochenende hemmungslos getrunken und von ´nem Freund die Mutter arbeitete im Krankenhaus und erzählte immer mal, wie bewusstlose Jugendliche (aber deutlich mehr Erwachsene) eingeliefert wurden. Gut das Wort Komasaufen gab’s noch net und die Medien damals hatten noch anderes zu berichten, aber der Sachverhalt… naja. Auch in den 70- er und 80- er Jahren haben wir uns geprügelt auf dem Schulhof, beim Studium, nach der Disko. Legendär die Saalschlachten nach der Disko. Aber natürlich haben wir das alles vergessen und verdrängt weil wir ja jetzt Stützen der Gesellschaft sind und richtige Vorbilder.

Und jetzt bliebe die Frage, wer ist denn dann verantwortlich dafür, dass scheinbar die Jugendlichen „Amok laufen“.?! Der Staat klar, also nach Definition Staat: WIR! Und blöderweise stimmt das auch. Nur unsere Generation muss sich an die eigene Nase fassen wenn sie jetzt (natürlich nur verbal) auf die Kids einprügelt. Wir waren jahrzehntelang Super Vorbilder.

Da hätten wir mal das Thema Alkohol. Also außer trockene Alkoholiker kenne ich eigentlich niemanden, der nicht regelmäßig zum Glas greift. Egal ob im Job, jeder Vertragsabschluss, jedes erfolgreich beendete Projekt usw. muss mit Alk gefeiert werden. Ein Geschäftsessen, gleich ob zum Lunch oder Dinner geht ohne einen guten Wein und den obligatorischen Calvados oder Grappa ja überhaupt nicht. Weihnachtsfeiern, Geburtstagsfeiern, Geburten, Hochzeiten…. Und wenn es Dunkel wird greifen wir zum Glas. Und dann der Abend. Er kommt gestresst nach Hause, um sich zu entspannen greift er zum Vodka und wenn sie 10 Minuten später von Ihrem Meeting kommt ist es meist der Rotwein. Zum Abendessen gibt’s Bier oder Wein und die Kinder sitzen dabei und irgendwann wenn sie genug gedrängelt haben gibt’s eben den ersten Schluck, mit 10 (übrigens ich war  9).

Wir leben den Wahnsinn jeden Tag komplett vor und wundern uns, dass die Teens dann nicht besser sind als wir. Die kiffende Spät- 68-er Großmutter ist genauso wenig hilfreich wie die rauchenden Eltern, die dann möglichst noch ihren Kindern in der Wohnung verbieten zu rauchen, es aber selbst machen. Selbst erlebt, was zwar mit Makarenko’schen Erziehungssystemen oder dem Grundgedanken der Walddorfschule nicht vereinbar ist… aber immerhin hat man es verboten, ein gutes Gefühl und die Kinder hebt es eh nicht an.

Ich nehme mich da übrigens nicht aus. Den Sohn eines befreundeten Ehepaares hab ich mal (er mag so 14-15 gewesen sein) beim kiffen mit Freunden ertappt und wie er einmal in der Tanke ne Flasche Vodka mitnahm. Natürlich habe ich weder dem Knaben noch den Eltern was gesagt. Erstens bin ich ja völlig tolerant, flexibel, jung, dynamisch, modern und fühle mich ja eh wie 25 (außer wenn ich morgens in den Spiegel sehe bzw. mit Rückenschmerzen, Gelenkproblemen und Augenringen aus dem Bett steige) und 2. tauge ich eh net zum Vorbild.

Nur ich rege mich auch nicht über die Jugend von heute auf. Sie ist eigentlich wie wir früher nur ein bisschen anders, aber die gesamte Gesellschaft ist eben anders geworden. Das einzige was ich mokiere, ist das Unvermögen meiner Generation gewisse Werte und Pflichten nicht weiter vermittelt zu haben. Und dann den Staat dafür verantwortlich zu machen ist ganz billig. Na klar haben geistig Inkontinente wie Frau Schavan, die unerträgliche Übermutti der Nation Ursula von der Leyen und unser grenzdebiles Ministerhäschen Schröder einen guten Anteil daran, das unser Bildungssystem – na sagen wir – suboptimal ist, das Kinder aus dem „Prekariat“ kaum Aufstiegschancen haben und das reiche verwöhnte Gören die besten Chancen für Ihr leben haben obwohl sie noch net mal laufen können. Aber die Regierungen seit Kohl waren alle nicht besser und wir!! haben sie gewählt. Also liebe Generation Golf (ne wir waren ja Babyboomer – die selbst aber kaum Kinder produzieren), ein bisschen mehr Vorbild, ein wenig mehr Werte ohne gleich konservativ zu sein und etwas mehr Zivilcourage, weniger Alk, ein Joint pro Monat reicht und auch ohne Koks kann man einen 12 Stunden Arbeitstag überstehen. Dann klappt´s auch wieder mit der Jugend. Dann ist sie auch wieder wie früher oder wie wir sie uns in unseren Träumen gern vorstellen (also außer bei mir, ich hab nix gegen die Jugend wie sie ist).

Aber wie sang schon Stefan Waggershausen: „Früher war alles viel früher mein Kind und der Himmel wird nie mehr so blau….“