Als ich letzte Woche eine Freundin auf der Strasse traf und Ihr nebenbei erzählte das ich grad in einem Film war namens „Die vierte Macht“ erschrak sie und meinte: „Oh Gott der soll ja so brutal sein“

Moskau

Brutal? Ich war leicht irritiert denn ein deutscher Film und brutal? Dazu auch noch ein Thriller? Und was ist ein Film gegen den brutalen Irrsinn den wir täglich in den Nachrichten und Reportagen aus dem realen Leben serviert bekommen? Kriege, zerfetzte Körper, von Folter entstellte Leichen, vergewaltigte Frauen, Erdbeben, verhungerte Afrikaner… soll ich weitermachen? Brutal? Also bitte.

http://www.trailerseite.de/film/12/die-vierte-macht-kino-trailer-21985.html

Aber zurück zum Film. Ich war also in einem wirklich guten deutschen Thriller unter anderem mit dem unschlagbaren Moritz Bleibtreu und einen sehr deszendent spielenden Max Riemelt.

Bei einem deutschen Krimi oder Thriller geht man ja automatisch inzwischen davon aus, dass die Kommissarin (zumeist) eine vom Leben gebeutelte Frau ist (als Kind vergewaltigt, vom Ehemann betrogen, der neue Freund von der Mafia entführt, die Mutter an Krebs gestorben, Vater Alkoholiker und sie selbst leidet an Schlafstörungen und Depressionen) die aber sehr stark und erfolgreich ihr lebensunwertes Leben meistert (gern gespielt von Veronika F. oder Christine N.). Nun hier ist es nicht so. Schon der Beginn ist für einen deutschen Film untypisch. Nach genau 75 Sekunden sind die ersten 386 Menschen tot. Wow, und es ist kein Tropfen Blut geflossen. Nach diesem unglaublichen, eher hollywood-typischen Beginn (Spielberg hätte es wirklich nicht besser gemacht) entwickelt sich eine zum einen spannende Handlung mit zahlreichen, erstaunlichen, verblüffenden Wendungen, die aber irgendwann auch logisch aufgelöst wird. Und genau das ist die Stärke des Filmes, jede Handlung, jede Person, jede Sache kann am Ende des Films nachvollzogen werden, auch jede Entwicklung der Hauptakteure und ihre Handlungsweise ohne das auch nur einmal die vorantreibende Spannung abbricht oder der Film irgendwann langweilig wird. Ein bisschen erinnert er mich an einen Klassefilm der siebziger Jahre. Wer kennt noch „Die drei Tage des Condors“ mit Robert Redford, Faye Dunaway und Max von Sydow?? Ja klar maximal die Leute die jetzt so langsam auf die 50 zugehen. Ähnlich wie in den „Drei Tage des Condors“ geht es auch hier um Macht, Geheimdienste, Mord und Totschlag. Wobei letzteres (selbst in den sehr realistisch gezeichneten Gefängnisszenen) nur als Mittel dient Zusammenhänge zwischen Macht und Terror zu vermitteln. Und Dennis Gansel der Regisseur bedient sich zudem auch noch real existierender Ereignisse, wo wir uns damals schon gefragt haben: „ ob das wirklich so war?“

 

Schlussendlich bleibt natürlich auch Gansel eine wahrheitsgemäße Antwort schuldig aber man kann sich im Endeffekt schon in dieses Szenario hineinversetzen und man geht aus dem Kino mit der (scheinheiligen) Gewissheit: Ich hab’s ja schon immer gewusst. Dabei gelingt es dem Film in einer einmaligen Genauigkeit den „Lupenreinen Demokraten“ als das zu outen was er ist….. aber schaut selbst.

 

Was die Brutalität angeht um nochmals auf den Ausgangspunkt zu kommen, so bleibt diese eigentlich immer unsichtbar aber fast physisch existent. Ok am Ende sind es wohl an die 450 Toten, aber wirklich gesehen hat man nur 2. Es ist der unsichtbare Suspense der den ganzen Film trägt, zwischen wilden Partys, Sex, Crime und Terror und wie kann man sich als stinknormaler Mensch in den „unendlichen Weiten“ eines Geheimdienstes verfangen ohne selbst schuldig zu werden. Die einzige Antwort die dieser Film gibt ist jene Botschaft, dass alle Opfer auch immer Täter sind und umgekehrt.

So ist es einen deutschen Thriller gelungen mich 2 Stunden lang wirklich zu fesseln, mich auch etwas intellektuell zu fordern und mir einen wirklich gelungen Kinoabend zu bescheren. Danke.