Oh jee, wir haben endlich das ultimative Medien-Politik-Sommerloch-Thema 2012 gefunden.

Griechenland?? Naaa, Finanzkrise? Also Bitte…., Syrien? Wo liegt das denn?

Das etwas sperrige Thema „Gleichstellung Homosexueller Paare zur Gleichbehandlung in steuerlicher Hinsicht“ ist in diesem Jahr in der heißen Jahreszeit das scheinbar prickelndste, heißeste Thema ever.

over the rainbow

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es überhaupt jemanden gibt, so er nicht in Pflegestufe 3, Altersdemenz oder Babyfieber gefangen ist, der noch nichts zu den täglichen TopNews gehört hat und – was noch viel schlimmer ist – auch eine Meinung hat. Inklusive ich.

Also nähern wir uns mal dem alles-andere-in-den-Schatten-stellende an. Vornehmlich Politiker aus der 5 – 8 Reihe der CDU wie Staatssekretärin Frau Reiche oder der Berufsschwule der Grünen Herr Beck incl. einiger schon eher bekannter Menschen wie Herr Gröhe, Herr Kauder oder ab und an auch mal die letzte Liberale in der FDP unsere Justizministerin und als Krönung des Ganzen auch die Kanzlerin haben inzwischen ihre Meinung dazu geäußert. Die beiden letzteren Damen in durchaus intelligenten Beiträgen (die eine dafür, die andere – wie immer – mal sehen) der Rest eher hysterisch aufgeregt bis wertkonservativ ablehnend. Das der Finanzminister wegen des Geldes dagegen ist, kann man nachvollziehen. Auf den ersten Blick.

Das Problem bei der ganzen Debatte sehen aber die allerwenigsten und – ich befürchte und erhoffe es schon wieder – im Schlussaccord wird mal wieder das Bundesverfassungsgericht darüber entscheiden.

Während die „Liberalen Fraktionen“ im Bundestag und in den Ländern (damit meine ich SPD, Grüne, Die Linke und oh Wunder die FDP) für eine Angleichung schreitet, stellt sich für CDU …….und vor allem CSU hier der Weltuntergang dar. Warum bitte sehr, sollen eingetragene Lebenspartnerschaften die Kinder großziehen die gleichen Bedingungen bekommen wie Ehepaare? Im besten Fall natürlich wenn sie gar keine Kinder haben und die Gattin des Professors noch nicht mal arbeiten geht?! Also bitte. Hauptsache Ehe. Hauptsache Hetero.

Dabei verlieren die meisten Propagandisten beider Seiten den logischen Hintergrund schon mal ganz aus den Augen. Bis auf, ich wage es kaum zu sagen – den Linken. Die scheinen erstaunlicherweise die einzigen zu sein, die nicht im wertkonservativen Mehrheitssound der „Betroffenheitsparteien“ gefangen zu sein scheint und fordern gleichmal die komplette Abschaffung des Eheganntensplittings und eine Schaffung der Förderung von „Gemeinschaften die Kinder großziehen“ egal ab verheiratet oder nicht, egal ob Hetero, Homo, Bi oder was auch immer.

„ Vor dem Gesetz sind alle gleich, nur eine Minderheit ist Gleicher und die ist auch ein bisschen Reicher“ sang schon Milva irgendwann in den Achtzigern… und recht hat sie.

Vor 60 Jahren gedacht dazu eben Familien mit Kindern (damals hatte man noch welche und wenn dann gleich 3 – 4 Bälger -  heute „machen das“ zumindest hier in Berlin nur noch „Mandy und Kevin aus Hellersdorf-Mahrzahn“ oder unsere „Großfamilien mit ausgeprägten Migrationshintergrund“ um das mal politisch korrekt zu formulieren) wo die Frau damals noch zu Hause blieb, steuerlich zumindest etwas zu entlasten.

In unserer egozentrisch und von absoluter Selbstbestimmung (man kann auch egoistisch sagen) geprägten Gesellschaft hat sich das Mittel für alle logisch denkenden Menschen ad absurdum geführt. Wir kriegen keine Kinder mehr und wenn dann nur ein Einzelkind, möglichst mit Mitte 40. Die Ehe hat längst grundlegende Alternativen bekommen und selbst unerträglich freche impertinente Lesben und Schwule wollen jetzt gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern Kinder bekommen bzw. großziehen. Also wirklich, wo kommen wir denn da hin, denkt sich jetzt mal der gut vernetzte bayrische Politiker vom Kaliber eines Norbert Geiß, bekommt Schnappatmung und sieht das Abendland in Gefahr wenn 13!!! Politiker der eignen Partei dafür sind.

Dabei übersehen die Mehrheiten in den Unionsparteien, dass die Mehrheit der Bevölkerung (erstaunliche 58 % in den letzten Umfragen) dafür sind, dass Steuerrecht anzupassen. Erstaunlicherweise sind die 39 % die dagegen sind (der Rest ist desinteressiert) genau die Anzahl der Stimmen, die am nächsten Sonntag CDU/CSU und FDP wählen würden. Hm… also das soll jetzt nix aussagen, aber man kann ja mal drüber nachdenken. Noch erstaunlicher finde ich, dass fast 70 % der Deutschen (also die Wahlberechtigt sind, eine Umfrage in Berlin unter nichtwahlberechtigten Migranten haben sehr gruselige Zahlen zu Tage befördert) der Meinung sind (wie die Linkspartei), das das gesamte Gesetz überholt und eben auf Kinderförderung angepasst werden soll, gleich welcher Lebensform. Ich bin entzückt wie liberal und logisch manchmal das Wahlvolk ist. Frau Merkel will sich natürlich erstmal bis zum Karlsruher Urteil nicht festlegen und dann bei der nächsten Klatsche vom Bundesverfassungsgericht natürlich für eine Reform sein.

Jetzt aber noch mal etwas zum Stil der Auseinandersetzung. Wenn ich polemisch bin, bösartig, zynisch etc. dann darf ich das. Schließlich ist das hier Realsatire. Aber meine lieben Akteure, vor allem aus der schwul-lesbischen Ecke. Wir sind hier in einem demokratischen Land. Wenn Herr Geiß, Frau Reiche (Gott wo nimmt die junge Frau die alten Ideen her), Herr Gröhe oder what ever eine Meinung vertritt die einem nicht passt, so sollte man sich mit Fakten und Zahlen auseinandersetzen. Mobbing, Beleidigungen und hysterische Vergleiche die komplett unter die Gürtellinie gehen bringen keinem was und zeigen nur, wie ideologisiert das Ganze ist. Und liebe Frau Reiche, wer Wind sät kann Sturm ernten. Wenn ich mich in die Politik traue muss ich auch mit Gegenwind Rechnen, wenn meine Meinung nicht allen gefällt. Sich dann schmollend zurück zuziehen und den Facebook Account zu löschen… intelligenter kann man als Politikerin sprich Staatssekretärin nicht reagieren.

Ach übrigens… Ende September redet kein Mensch mehr über das Thema…. Dann ist das Sommerloch vorbei. Wie würde Mr. Spock sagen: „Faszinierend“.