Wer hätte das jemals gedacht, dass ausgerechnet ich mich mal für meine, bei mir wenig geschätzte, Bundeskanzlerin stark mache.

ohne Worte

Was ist bloß geschehen??! Wie konnte es soweit kommen? Und bin ich schon dem obligatorischen Alterswertkonservativismus verfallen?

Also eigentlich gilt ja, je älter man wird umso wertkonservativer werden die Ansichten. Das stelle ich ja regelmäßig an mir fest. Erst hab ich 18 Jahre lang die Grünen gewählt (wohlgemerkt trotz Kriegstreiberei, Hartz IV etc als kleineres Übel von Allen) und jetzt seit 4 Jahren die Piraten. Nun kann man beide ja nicht gerade als linke Parteien abtun… trotzdem bezeichne ich mich gern (gegen jedes Eigenwissen) als links-alternativ-liberal. Die Grünen sind die einzige christlich konservative Partei im Spektrum und die Piraten kann man eher als moderne Liberale betrachten…. Völlig zu Unrecht sind wir Freibeuter als links verschrien.

Zurück zur Kanzlerin. Davon abgesehen dass ich Nach wie Vor nicht unbedingt mit ihrer Politik übereinstimme, ihre ständige Missachtung der Gesetze und des Bundestages missbillige (was das Verfassungsgericht zum tausendsten mal wohl angemängelt hat) und erst recht nicht in der Europapolitik mit ihr konform gehe, muss ich sie heute mal verteidigen.

Als ich vor kurzem das sensationelle Sommerinterview unseres begnadetsten Selbstdarstellers und Alleskönner sah (nein nicht Horschti Seehofer) hatte ich am Anfang aus irgendeinem alten, unsinnigen Reflex heraus eine leichte Genugtuung verspürt. Unser Seelentröster der Nation, der Erklärer und intellektuelle Dampfplauderer, das Gewissen aus Rostock und der Welterläuterer, defacto göttliche (so sieht er sich wohl auch als Pfarrer) Sprücheklopfer… oder kurz Bundespräsident genannt, kritisierte die Kanzlerin und warf Ihr vor, ihre Europa-Finanzpolitik nicht genügend für das Volk zu erklären und so käme die schlechte Stimmung auf etc. pp.

Wie gesagt, im ersten Moment dachte ich Wow… 10 Sekunden später…. Ihhhhgittt.

Irgendwie kam nach kurzem Nachdenken bei mir der Verdacht auf, Herr Gauck hätte sich wiedermal geirrt oder, was noch schlimmer wäre, wiedermal völlig populistisch und ohne Nachzudenken (wie so oft) Schwachsinn erzählt. Ich also ins Internet und mir 218 Reden, Interviews und Stellungnahmen sowie Regierungserklärungen rausgesucht. Dazu noch die Reden des (unerträglichen ) Finanzministern, Regierungssprechers sowie diverser Staatssekretäre. Ich muss jetzt hier mal (obwohl es mir schwerfällt) mitteilen, dass man aus all dem doch einen recht guten Überblick über die deutsche Politik der Kanzlerin bekommt und wenn man sich etwas auskennt oder sich die Mühe macht darüber nachzudenken schon klare Linien und Strukturen erkennt und auch komplizierte Zusammenhängen erkennt und begreift. Man muss es nur wollen.

 

Also sollte es auch für einen Möchtegernintellektuellen wie Gauck möglich sein sich in Finanzpolitik hineindenken zu können. Jeder Mensch muss die absolute Freiheit und Selbstverantwortung dazu haben… wie Gauck immer wieder und bis zum erbrechen betont. Vielleicht sollte er ja mal selbst danach leben und uns nicht dauernd mit seinen unerträglichen Pseudo-Lebenshilfen nerven.

Aber das würde wahrscheinlich zu weit führen.

Natürlich möchte ich gern nochmals betonen dass ich nicht mit der Politik der Kanzlerin übereinstimme, dass ich Sie wirklich für zu zögerlich halte und das sie zu sehr auf die nächsten Wahlen schielt um die Krise als Führerin in Europa richtig und vor allem schnell und effizient Händeln zu können. Aber muss man sich dann von einem in wirtschaftlichen Fragen eher wie ein populistischer Volkstribun agierenden Bundespräsidenten kritisieren lassen. Nein. Das hat sie nicht verdient.

Und dann in den nächsten Tage die Schlagzeilen bei Spiegel, FAZ, Süddeutsche, Märkische Oderzeitung etc. Nicht einer ist Frau Merkel beigesprungen und hat die Aussage Gaucks als das gegeißelt was sie ist. Schwachsinn.

Also lieber Herr Gauck. Ich weiß sie sind Pfarrer von Beruf (Wasser predigen und Wein saufen… kennen wir ja), das nächstemal zuerst etwas denken, nachdenken, sich informieren oder in ihren Worten freiheitliche Selbstbestimmung zelebrieren und dann Reden. So was kennen wir ja sonst eher nur von Frauen… in diesem Falle ist die Frau die deutlich bessere und Intellektuellere… und das ist auch gut so!!!