Waren die ersten Worte welche ich hörte, als ich die Wohnung von Vicky, einer guten Bekannten betrat. Naja eigentlich heißt Vicky mit richtigen Namen Victoria-Mechthild Strothum-Schneidereit und ja…. sie stammt aus Baden-Würtemwürg. Aber ich mag sie trotzdem, was man von Ihrem jetzt seit 2 Jahren frisch angetrauten 2. Ehemann nicht unbedingt sagen kann. Guntram-Emanuel Strothum… ja auch hier liegt euer Verdacht nahe und stimmt. Dazu aber später.

Vegan 

Ich zumindest war etwas irritiert und fragte leise Guntram-Emanuel ob sie denn mich verklagen wöllte oder was denn passiert wäre. Andächtig betraten wir nun die geräumige, Bambus-Naturholz eingerichtete Küche wo Victoria-Mechthild grad mächtig am toben war.

„Das lassen wir uns nicht gefallen. Schließlich gibt es ja jetzt einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Wir klagen.“ War die Erklärung ihres Aufruhrs. Ah ich verstand, ja ärgerlich – wobei ich eine Sekunde später mir überlegte, dass das ja grad in Berlin gar kein Thema war. Hier gibt es genügend. Blöderweise beging ich jetzt den Fehler dies auch noch zu sagen und mein Unverständnis darüber auszudrücken, dass sie keinen Platz gefunden hätten. Ein Aufschrei von Beiden und dann stieß sie den entscheidenden Satz hervor: „Der vegane Kindergarten ist total überfüllt und ich gebe mein Kind nicht in so einen verseuchten Gammelfleischbunker ….. aber du bist ja auch so ein Fleischnazi“ brachte sie empört hervor. Upps das hatte gesessen. Stimmt ich esse Fleisch und Wurscht und Eier und Käse und Victoria-Mechthild früher auch, als sie noch mit Torsten, Berliner, Fleischfresser, Elektriker verheiratet war. Der isst immer noch Fleisch und zu Ihrer andauernden Empörung ihr großer Sohn, Frank-Daniel (der eben von diesem Fleischfresser Thorsten abstammt) ebenso, was ihn vor allem in den Augen von Guntram-Emanuel schon verdächtig macht. Denn dieser hat ja soeben sein Studium mit 36 Jahren abgeschlossen, Nachhaltige Ökologie, die 18 Semester  Sozialpädagogikstudium vorher waren wohl dann doch zu anstrengend gewesen. Na gut ist bei ihm eh kein Problem, die schwäbische Firma von Papi läuft super, dank Papi und so muss er jetzt auch nicht arbeiten gehen, Vicky arbeitet ja im Bundestag und er kümmert sich um seinen 11 Monate alten Sohn. Der ist der Beiden ganzer Stolz – Wolf-Emanuel Benedikt-Thadeus mit Namen. Als ich den das erste Mal in Gänze hörte (Wolf-Emanuel Benedikt-Thadeus Strothum-Schneidereit) habe ich Sie gefragt ob sie wahnsinnig geworden wäre. Diesen Namen später in der Walddorfschule vorzutanzen würde Stunden dauern. Ihr läppischer Kommentar dazu: „ na und dann nimmt er eben nur Wolf, soll sich nicht so anstellen“ führte ich auf die postnatale Depression zurück.

Jetzt konnte ich mir also alles zusammenreimen. Wolf-Emanuel Benedikt-Thadeus Strothum-Schneidereit hatte also im Alter von 5 Monaten seinen Eltern klar und deutlich und unmissverständlich klargemacht, dass er nur noch vegan leben möchte und auf keinen Fall einen anderen Kindergarten oder gar andere nach Fleisch stinkende (man beachte das vorher gefallene Wort „Fleischnazi“, was gleich dreifach politisch gut und korrekt ist) Kinder akzeptieren würde. Das blöde aber ist, es gibt im Umkreis von 5 Kilometern um Ihre Wohnung nur den einen veganen Kidergarten. Alle anderen sind eben von den Fleischnazis okkupiert oder besetzt (um im Jargon zu bleiben) bzw. ist die andere fleischlose Kita eben nicht das Wahre, da dort solche unmöglich essbaren Sachen wie Käse oder Fisch kredenzt werden.

In der Zwischenzeit hatten wir uns nun zu fünft (ich, Victoria-Mechthild, Guntram-Emanuel, Wolf-Emanuel Benedikt-Thadeus und Frank-Daniel) am Tisch versammelt. Ich hatte bisher noch nie Gelegenheit gehabt bei Familie Strothum-Schneidereit zu essen… also früher als Victoria-Mechthild noch mit Thorsten verheiratet war ja… aber meist haben wir dann gegrillt oder uns vom Pizzadienst was liefern lassen…(in Anbetracht unser aller Kochkünste ein weiser Entschluss), heute unter der Ägide von Guntram-Emanuel (man ahnt das jeder Junge in der Familie irgendwie Emanuel heißen muss) unvorstellbar.

Während des göttlichen Mahles langweilt der Herr des Hauses (hm also ob ich ihn als Mann bezeichnen würde…???) mit Ausführungen über fleischlose Ernährung (ich bin schon völlig vergiftet und eigentlich verrotte ich schon… innerlich), naturbelassene Möbel und Kleidung die man ja recyceln kann. Victoria-Mechthild strickt jetzt wieder und dieses Jahr fahren sie auf einen veganen Biobauernhof nach Bayern. Ich höre fasziniert zu und Frank-Daniel verdreht zum 12-mal die Augen. Als Vorspeise gibt es einen leckeren Ruccola-Salat mit Zitrone angemacht. Während ich die sauren, trockenen Blätter des völlig überschätzten aber dafür hippen Ruccola mit dem puren Zitronensaft spärlich beträufelt in mich reinwürge, überlege ich was denn ein veganer Bio Bauernhof ist. Sind da alle Katzen, Kühe, Hühner, Mäuse ausgerottet wurden und wie haben die das gemacht? Etwa dahingeschlachtet wie die Indianer am Wounded Knee??? Mit Rattengift ausgetilgt??? Hm ich sage lieber nichts bevor ich noch als KZ-Lager Hillig beschimpft werde. Frank-Daniel ist mit seinem Essen fertig, der großgewachsene 15 jährige steht auf und teilt dem versammelten Auditorium mit, dass er noch schnell „ne stunde zu Dad“ gehen wird. Sehnsüchtig schaue ich hinter ihm her, da ich weiß, dass der 300 Meter entfernte McDoof sein Ziel sein wird. Als er beim rausgehen mir noch zuzwinkert und grinst weiß ich Bescheid. Und hasse Ihn. Abgrundtief.

Als Hauptgang unter weiteren Beschwerden über nicht vegane Küche in Restaurants, Rauchern, Alkoholtrinkern, Autofahrern etc, wird die Flasche Wein geöffnet und das Hauptmahl gereicht. Selbstredend ist der Wein BIO-Alkoholfrei und ich frage mich warum man nicht einfach Johannesbeersaft mit Kirchsaft dazu sagt und was für einen Sinn alkoholfreier Weinüberhaupt macht?! Also für alle Nicht-trockenen Alkoholiker? Aber das zu beantworten wäre müßig, ich versuche den Wein und es bleibt dabei… Johannesbeer-Kirch-Saft. Lecker.

Das gebratene Tofu an Kichererbsenpürree mit korrepondierenden Linsengemüse klingt gut, in Anbetracht der Kochkünste der Familie Strothum-Schneidereit bleibt es beim klingen. Es wird extra darauf verwiesen das Guntram-Emanuel das gekocht hat, was es aber auch nicht besser macht.

Der klebrige Brei, den Wolf-Emanuel Benedikt-Thadeus Strothum-Schneidereit auf den Teller gepappt bekommt sieht aus wie schon mal gegessen und vom Ekel wieder rausgewürgt. Mein Kichererbsenpürree ist erstaunlich gut, wenn es denn gewürzt wäre, das Tofu auf den Punkt gegart und das Linsengemüse etwas zu mächtig da halb roh. Oh Gott das wird ne Nacht. Noch schnell den Bio-Öko-Saft-Wein genossen und da kommt auch schon der Nachtisch. Bei netten Gesprächen über Kinderkriegen (natürlich hatte Sie eine Wassergeburt), Kindererziehung (also Wolf-Emanuel usw. ist ja so eine starke Persönlichkeit), Kinderbildung (wir hatten das Thema Kita schon und außerdem ist Wolf-Emanuel Benedikt-Thadeus ja ein hochbegabtes Kind wie die stolzen Eltern schon vor Monaten erkannt haben) und den massiven Schwierigkeiten mit Frank-Daniel der viel bessere Leistungen bringen könnte wenn er endlich vegan leben würde und sich auf des Wesentliche konzentrieren könnte. Ich befürchte das tut er bereits, nämlich verwertbare Nahrung zu suchen (daher der Ausspruch Jäger und Sammler) und am Leben zu bleiben und ich finde 1,5 als Notendurchschnitt jetzt auch nicht soooo schlecht.

Das Dessert besteht aus selbstgemachten Pflaumenkuchen, dem man anmerkt, dass Fett als Geschmacksträger fehlt und Sojamilch ist eben keine Kuhmilch. Aber es ist mit Abstand das Beste heute Abend.

Ich habe den ganzen Abend vielleicht 100 Worte gesprochen (und jeder der mich kennt weiß das das ein Wunder ist), mir grummelt es im Magen und ich bekomme noch schnell einen Espresso. Der ist ja nun wirklich vegan und schmeckt. Bis zu dem Zeitpunkt als mir Guntram-Emanuel Strothum erklärt, dass der aus gaanz gaaanz teuren Kaffeebohnen gemacht wird, die irgendwelche Viecher verschlucken und dann auska….. Gott ich bekomme einen Würgeanfall und höre schon nicht mehr zu auf dem Weg zum Klo.

Schnell verabschiede ich mich mit dem Hinweis, dass wohl die Boulette heute Mittag ich nicht vertragen habe, erkläre wie super doch alles war und empfehle noch schnell nen Anwalt für die Klage. Also so geht es ja nun wirklich nicht.

Beim warten auf die Straßenbahn überlege ich mir aber noch, ist das Ausscheiden von Kaffeebohnen aus dem Darm und dem rekträren Bereich von irgendwelchen Affen oder Katzen oder Elefanten, ich weiß net mehr was für Viecher das waren… also ist das dann als Espresso oder Kaffee eigentlich noch vegan? Scheiße ich muss schon wieder kotzen… wo ist das Bio-Gebüsch.