Neukirchen Vluyn

Um es vorweg zu nehmen, ich habe nix gegen Neukirchen Vluyn (ich hatte da mal dienstlich zu tun, ja ist kein Scherz), ich finde den Namen und den Ort nur einfach Klasse und möchte da nicht tot übern Zaun hängen und vor mich hinfaulen. Aber sonst ist da alles Klasse.

Es geht mir um ein Phänomen, welches mir von Jahr zu Jahr mehr auffällt, leider aber anscheinend allen linksliberalen Journalisten entgeht bzw. schwierig zu vermitteln ist und anscheinend bei der teuren Ausbildung zu eben jenem nicht unterrichtet wird.

 Es geht um Mehrheiten und damit um Minderheiten, Ihre Meinungen und die Darstellung eben jener.

Das erste Mal wirklich irritiert war ich (und das ziemlich zeitnah) bei der Problematik einiger Volksabstimmungen in Berlin. Es ging um die Themen Religions- bzw. Ethikunterricht an Berliner Schulen sowie die Schließung des Flughafens Tempelhof. Beides kleine, sehr regionale Aspekte aber die Medien der Hauptstadt und natürlich damit auch Deutschlandweit breiteten es genüsslich und en Detail und en Masse aus. Da ja alle Bürger Berlins seeehr Tolerant sind  (andere sagen desinteressiert), stand lt. den Medien das Ergebnis fast schon fest. Was mich Baff erstaunte denn alle mit denen ich über das Thema sprach waren durchaus anderer Meinung … also defacto meiner. Große Verblüffung in den Journalien der Stadt als beide sinnlosen, erzkonservativen und ökonomisch schwachsinnige Begehren von der Bevölkerung abgeschmettert wurden. Huch was für eine Überraschung. Schaute man sich die Ergebnisse nach den einzelnen Stadtbezirken an, so kam man zu dem Schluss, dass diese unerträglichen Dummbatze aus dem Ostteil sowie Bevölkerungsreiche Orte wie Reinickendorf oder Wedding und Mitte mit den furchtbaren „Ossis“ (die natürlich zu 40 % Wessis inzwischen sind) gestimmt hatten. Was für eine Blamage für die Medien. Nur kleine unbedeutende „Provinznester“ wie Zehlendorf oder Biesdorf (im Osten) hatten sich dafür ausgesprochen. Nur leider hatte man sich als aufgeschlossener Journalist auf die Demonstranten und „Marktschreier“ der Proteste eingelassen und die schweigende Mehrheit völlig vernachlässigt. Als man dann mal nachschaute wer denn von den Initiatoren und Hauptakteure (und Redner zur besten Sendezeit) der Volksbegehren wohnten, war alles klar. Zehlendorf, Steglitz, Grunewald….

Das Gleiche erlebten wir bei Stuttgart21. Über Wochen berichteten die Medien von Tagesschau bis Spiegel über die Demos, ganze Regierungen stürzten und man war sich eigentlich einig, dass der Plan zu dem dringend benötigten neuen Bahnhof und der Strecke nach München abgeschmettert wird. Die konservativen Bewahrer der alten Zustände (die sich in Deutschland ja inzwischen als fortschrittlich interpretieren und dargestellt werden) wurden gefeiert, gelobhudelt und der Champus stand schon kalt. Meine Leute in BW allerdings hatten dazu eine klare und vor allem anderslautende Antwort. Die fanden nämlich den Bahnhof völlig unzeitgemäß, überfordert etc. und die Fahrzeit nach Muc und Bratislava deutlich zu lang. Und siehe da, das was ich vorhergesehen hatte (und mit mir tausende die vielleicht nicht die linke-vegane-Ökobrille aufhaben) geschah, dieses Volk vor allem aus der provinziellen Fläche stimmte anders als die Großstadt Stuttgart. Rums.

Soll ich weitermachen?? Wo immer in letzter Zeit die Medien auch international sich begeisterten und engagierten und eine völlig einseitige Berichterstattung durchzogen ging das schief und scheiterte an der Mehrheit der Bevölkerung aus den meist provinziellen Gebieten. Ägypten, die Große Freiheit, Demokratie, Aufbruch, Hunderttausende auf der Strasse, Facebook und Twitter sei Dank. Völlig vergessen wurden aber die Millionen tiefreligöser Menschen die blöderweise auch wahlberechtigt sind. Der Sieger der freien Wahlen hieß Mursi. Und mir fehlte einfach der erbitterte Aufschrei der linksliberalen Medien in Deutschland, als das Militär den rechtmäßig gewählten und von der Mehrheit der Bevölkerung gewollten Präsidenten wegputschte. Natürlich nachdem wieder 500.000 Leute auf die Strasse gingen gegen Mursi. Bleibt die Frage nach den restlichen Millionen in Kairo und im Rest des Landes. Hat irgendein Sender oder Zeitschrift mal die Leute in Assuan befragt?

Tunesien, die Ersten der sogenannten arabischen Revolution (alle betroffenen Länder versinken grad im Chaos), hochgelobt, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit blabla, gescheitert an der Mehrheit der Nicht-Großstadt-Bevölkerung. Nehmen wir die Türkei, Teile der Bevölkerung von den drei Großstädten stehen auf und Demonstrieren gegen den mit Mehrheit gewählten MP. Ihr gutes Recht, einen Rücktritt zu verlangen – Ihr gutes Recht und in dem von Erdogan gewollten Staat möchte ich auch nicht leben. Schon denkt man die Zeit der Islamisten ist da vorbei (wenn man Focus, Tagesthemen, Heute-Journal, Zeit, TAZ glauben sollte). Vergesst es, die Mehrheit der Bevölkerung der Türkei lebt eben nicht in Istanbul und Ankara sondern auf dem Land….. und wenn von 18 Mio. Einwohnern von Istanbul 250.000 Tausend auf die Strasse gehen und demonstrieren…. Was ist mit den anderen 17.750.000 Menschen.

Das Zerrbild was uns tagtäglich die Medien unterbreiten, hat inzwischen den Charakter von Volksverdummung angenommen. Abweichende Meinungen zum linken Mainstreamjournalismus gibt es nicht mehr. Nun betrachte ich mich ja nach wie vor selbst als Liberal…. Aber wo ist die Meinungsfreiheit geblieben, wo die diskurse Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, die man natürlich erst nehmen sollte und nicht mit schwachsinnigen Totschlagargumenten beenden …. und was für Professoren lehren eigentlich an den Unis? Warum werden in der Medienlandschaft abweichende Meinungen  nicht mehr publiziert und ernst genommen. Die AfD wird sofort (als sicherlich konservative Partei) ins rechte Spektrum gerückt, Berichte über Ausländerfeindlichkeit bis zum Exzess ausgebreitet, Rassismus gegen Deutsche und Juden z.B. begangen von arabischen bzw. muslimischen Mitbürgern schamhaft umschrieben um ja net anzuecken. Man könnte ja in den Verdacht von Rechtsradikalismus kommen….. Im Falle des totgetretenen Jonny K. in Berlin, wagt sich noch immer keine Zeitung klar und deutlich zu schreiben, dass alle „Täter“ Moslems waren.

Was den Journalisten fehlt, ist eine allumfassende Sicht auf Dinge, sie sind nur auf Schlagzeilen fokussiert, wer am lautesten schreit hat recht, im Moment sind das die links-bürgerlichen-Öko-Veganer mit sozialpädagogischen Hintergrund, die sie aus reinem Opportunismus nicht wahrnehmen. Der Zeitgeist ist dagegen. Apologeten der Macht.

Letztes Beispiel wieder aus Berlin: Über Monate war eines der wichtigsten Themen der Hauptstadt die Routen des Berliner Flughafens, zehntausende gingen auf die Strassen in Rahnsdorf und anderen kleinen Ortschaften um für die „Schließung von Schönefeld“ zu demonstrieren. Im RBB, der ARD, RTL, Spiegel usw. usf. räumte man den ca. 70.000 Demonstranten unglaublich viel Sendezeit und Seitenanzahl ein. Als ne Bekannte vom Chiemsee mich anrief war sie der Meinung, ganz Berlin will den Flughafen nicht. Tage später gab es eine winzig kleine Notiz von einem Meinungsforschungsinstitut in der Zeitung, wo nach 71 % der Berliner für die Eröffnung von Schönefeld sind und bei einem Volksbegehren gegen die Flugrouten dagegen stimmen würden. Nur schreien die eben nicht und wer fährt schon mit einem großen teuren Aufnahmewagen nach Neukirchen Vluyn wenn man in Berlin schreiende Demonstrierer kostengünstig filmen kann.