Ah ja, falsch gedacht. Nein ich beschäftige mich heute nicht mit Gott, Merkel, Westerwelle, Nahles, Wulff oder wie die alle heißen. Obwohl… die würden da auch gut reinpassen. Aber nein, ich rede heute über das Dschungelcamp.

 

Darwin

Ja okay, Ihr habt recht. Ich oute mich heute mal als Fan des Dschungelcamps. Diese bildungspolitisch wichtige Sendung sieht selbstverständlich niemand…. Hat auch täglich nur 6 bis 10 Mio. Zuschauer. Defacto die BILD – Zeitung des Fernsehens. Entsetzt fragte mich gestern ein Freund, wie ich denn dazu käme „SOWAS“ anzuschauen. Letztes Jahr, als Sarah Dingens und Jay Dingsbums und Peer … – Ähmmm wie war der Nachname – in Australien (damals schon im strömenden Regen) festsaßen, war ich völlig verblüfft und fasziniert über dieses Format, was wohl irgendwie 5 oder 6 Jahre an mir fernsehtechnisch vorbei gegangen war.

Nun in diesem Jahr habe ich mir fest vorgenommen, mindestens die Hälfte der Folgen mir anzutun – weil – es ist gut und sagt viel psychologisch über uns und die Gesellschaft in der wir leben aus. Zumindest mehr als DSDS, VOICE, Talent, Baku oder wie die alle heißen und es ist vor allem grundehrlich.

Da wären als erstes die Y-Prominenten. Erstaunlich das es sogar einen wirklichen Star gibt. Brigitte Nielsen… hat zwar seit 20 Jahren keinen Film mehr gedreht aber man kennt sie zumindest… und wenn es aus der sehr erfolgreichen Serie war, wo sie sich wohl hat runderneuern lassen (mir sagte eine Freundin da wäre wohl mehr passiert als Bauch, Beine, Busen und Po, obwohl sie es als Intellektuelle selbstredend nieee geschaut hat). Als Mann kennt man natürlich das „Ailton“, früher mal ein Super-Fußballer, heute leider pleite. Achja und Martin kenne ich noch, vor 7 – 8 Jahren hatte er einen wirklich genialen Song: „Angel of Berlin“ und trainiert seither in meinem Sportclub, wo ich ihn ab und an sehe. Natürlich kennen wir auch alle MOMO, oder besser Radost Dingens… was sie in den letzten 30 Jahren gemacht hat erschließt sich mir nicht und ich hätte sie wahrscheinlich auch nicht erkannt. Dazu käme noch Jazzi…. deren richtigen Namen ich nicht kenne, einst Hip-Hop-Girlie von TicTacToe oder so. Legendär die Pressekonferenz, als sich 3 hysterische Girlies auf der Bühne krachten. Man sieht also, wenn man sich a bisserl anstrengt kennt man sogar einige davon. Leider völlig unbekannt hingegen waren mir Rocco, Kim, Micaela (die von Bata Illic??) Daniel und Vincent. Dazu später. Und… ich kannte noch Ramona Leiß… also eher vom wegzappen von vor 20 Jahren irgendwie, denn schon damals hielt ich sie für eine alt-bajuwarische Dorfpomeranze. Das letzte Lebenszeichen von ihr war wohl das Outing als Lesbe, was wohl meine einzige Respektbeweisung erzeugte.

Und genau diese Ramona outete sich als das, was ich schon immer vermutet hatte. Von der ersten Sekunde des Einzugs ins Dschungelcamp nörgelt „Die Leiß“, meckert, legt sich mit jedem an, ist stinkefaul, macht nichts, gibt sich als (dauerbesserwissende) Übermutter des Camps und ist so furchtbar, das man alle Vorurteile die man je gegenüber bayrischen Hausfrauen besessen hat, bestätigt bekommt. Das sie völlig wahrnehmungsgestört ist bedarf keiner Erklärung, wie 80 % der Bewohner des australischen Busches hält auch sie sich noch für Prominent. Mit schöner Regelmäßigkeit verweist sie auf Ihre alten Erfolge, die keiner mehr kennt (außer in Bayern und im MDR) und genau da wird das ganze Format ehrlich. Sie zeigen in nie dagewesener Deutlichkeit den völligen Realitätsverlust der Möchtegern-Promis. Wie (fast) alle sich ständig versuchen in Szene zu setzen, wie sie geifern, sich zanken (Leiß, Raven), wie sie zum Kommiss mutieren wenn man sie mal zum Dschungelchef für einen Tag macht oder einfach ihre labilen, psychologischen Zustände offenbaren, nach völlig gescheiterten Karrieren… das ist pures Privatfernsehen at the Best. Und wir sind mittendrin, ergötzen uns an unfassbar dummen Menschen, gescheiterten Existenzen beim Versuch wieder auf die Beine zu kommen (zumindest finanziell) und gönnen ihnen allen den völligen Gau ihres Selbstwertgefühls. Defacto wie im richtigen Leben, am Arbeitsplatz (wenn der ungeliebte Chef stürzt), im Freundeskreis (wenn sich der Kumpel von der Freundin trennt die natürlich völlig daneben war) oder noch besser, wenn man jemanden kennt der gerade durchs spekulieren an der Börse viel Geld verloren hat. Und vor allem… nur die Harten kommen in den Garten. Die gnadenlose Auslese mit der Rauswahl der einzelnen Kandidaten hat schon etwas von Sozialdarwinismus…. Nur der Stärkste überlebt. Wie im Tierreich…. Wir sind Tiere.

Dabei haben es die Leute ja selbst in der Hand wie ihr Eindruck wirkt auf die („Nichtvorhandenen“)  Zuschauer. Wenn Vincent, der sonst mit Raben spricht, rote Klamotten für Schwuchtel geeignet ansieht und sich gar nicht mehr beruhigen kann, da er für ´ne Schwuchtel gehalten werden könnte oder noch besser Frauen für Führungsaufgaben als ungeeignet ansieht und die sich wahrscheinlich zurück an den Herd wünscht, so entlarvt sich der Schweizer Alm-Ödi als verwirrter, alter, dauernörgelnder Mann, dessen Highlight es bisher war, statt mit seinem Raben mit den Dschungelvögel gesprochen zu haben.   Sdwfgadfvad.

Viel ehrlicher ist da schon Martin Kesici, der bereits am Anfang sagte er gehe nur ins Camp um seine Schulden beim Finanzamt zu begleichen und der Rest …. Da müsste man sehen. So verhält er sich auch, leicht autistisch, abgefuckt, desillusioniert. Find ich super. Die größte Überraschung aber ist die einzige wahre Dame im Busch. Brigitte Nielsen…. Unglaublich, sie zeigt was Hollywood wirklich ist, ist immer leicht entspannt, regt sich genau zur richtigen Zeit auf, weiß wo die Kameras hängen und wie man sich davor benimmt und ist auch nach 5 Tagen Dauerregen und mit zerstörter Frisur eine „DAME“. Wow, Sie wird wohl auch die Siegerin sein, weil sie sich, ähnlich wie der mir bis dato völlig unbekannte Rocco Stark (Halbbruder von Winnie-Pu Dingens Gonzales und Baby Blue Peter Pan Ochsenknecht oder wie die heißen), für den das ganze lt. Aussage ein einmaliges Abenteuer ist und der sich auch so benimmt. Immer gut gelaunt, ständig Faxen machend, kurz wie ein zu spät erwachsen gewordener Teenager.

 

Also liebe Freunde, wenn ihr mal sehen wollt wie Kapitalismus im kleinen funktioniert, wie Eurokrisen an lebenden Beispielen erklärt werden können und wie Mobbing sich im Einzelnen auswirkt, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten (und das nicht nur auf kenternden Luxuslinern) und wie sich Menschen schadenfroh beömmeln über das Unglück und die Lebenslügen anderer (nämlich wir Zuschauer), dann bitte treibt die Quote vom Dschungelcamp nach oben, setzt Euch 22.15 Uhr vor den Fernseher, macht die Flasche Moet&Chandon auf (in der Woche muss mal der billige reichen) und ruft fleißig bei RTL an. Irgendwie müssen die ja das Geld wieder reinkriegen, was die Y-Prominenten bekommen haben.

Passend dazu spielte RTL in einer Sendung einen kurzen Einspieler von „Sultans of Swing“ ein als Untermalung. Die Deutsche Coverversion heißt dazu passend: „Gibt es Hoffnung wenn die Zukunft beginnt?“. NEIN.