Wenn man am öffentlichen Leben teilnimmt kann man viel erleben. In letzter Zeit sind mir einige sehr interessante Begebenheiten „zugetragen“ worden, die ich jetzt mal leicht modifiziert kurz vortragen möchte.

McFit, Berlin

Ein 180 cm großer, 200cm breiter und 120 cm tiefer, bodygebuildeter, muskelbepackter und (wahrscheinlich) mit anabolischen Substanzen perfektionierter Körper (ich will net gleich Mensch sagen), türkischer oder kurdischer Abstammung steht unter der Dusche neben einem älteren, nicht ganz schlanken, blassen Deutschen und unterhält sich. Sagt der Schrank:“ eh voll krass, ich sag Dir. Am Samstagnacht, eh ich, Freund, seine Freundin und meine Freundin, haben wir voll konkreten Dreier gemacht.“ Darauf der Deutsche: „Du bist ein Genie“. „Echt? Voll krass Alda, willste auch ma“

 

Irgendwo im Niemandsland in der Regionalbahn von Meißen nach Dresden

Eine Mutter, eine nervige etwa 9 Jahre alte Teppichratte und ein einsamer, nicht mehr ganz junger „lonely wolf“ sitzen im oben Bereich des Doppelstockzuges. Das Kind leidet unter Tourettsyndrom, ADS Syndrom und einer unfähigen Mutter (in umgekehrter Reihenfolge) und hetzt lärmend, den Zug mit schmelzender, klebriger Schokolade beschmutzend und obskure Schimpfwörter ausstoßend quer durch das Abteil. Irgendwann kommt es zu dem Mann der genervt starr aus dem Zugfenster ins Nichts starrt. Das Kind guckt den Mann an und will gerade seine klebrigen, dreckigen Pfoten an der Jacke des „einsamen Wolfes“ abwischen.

Langsam dreht er den Kopf, schaut das Kind eiskalt und starr an (was bei dunkelbraunen Augen eher schlecht geht) und sagt mit unterdrückter vor Kälte klirrender Stimme“ Geh zu deiner Mutter wenn du leben willst“ . dann dreht er seinen Kopf wieder zum Fenster und hört nur noch aus der Ferne das schreiend weglaufende Balg. Zum Glück sieht niemand das leise Lächeln auf seinen Zügen.

 

S-Bahn nach Spandau

Volle S-Bahn, leises Gemurmel, Körper reiben sich an Körper, aufgeheizte Atmosphäre, von irgendwo dringt Musik oder besser Rammstein aus einem DJ Kopfhörer. Hackescher Markt steigt eine Business-Schrapnell ein, Gucci-Tasche, Gucci-Kostüm (bei 0 Grad Außentemperatur), leichter Mantel (wahrscheinlich Gucci), I-Phone in der Hand, in der anderen den obligatorischen Latte.

Friedrichstr. fängt sie an zu telefonieren. Natürlich scheißt sie, in einer Lautstärke als müsste sie landende Jumbojets übertönen, einen Mitarbeiter zusammen und gibt ihm bis Tiergarten wertvolle aber sinnentleerte Hinweise wo ein Dokument in Ihrer Ablage zu finden wäre, das er blöd ist, keine Ahnung hat, dass sie als Münchnerin (klar bei dem Dialekt und den Verhaltensweisen war nix anderes zu erwarten) so was nicht gewöhnt wäre, er das Dokument bitte zu ihrem Termin faxen soll (wozu du Depp hast du ein Smartphone?), achja Mail geht ja auch weil Smartphone usw. usf.

Tiergarten ist sie fertig mit telefonieren, der Rammstein-Fan setzt seine Kopfhörer ab und fragt ganz entspannt: „Sorry ich hab ´nen guten Verhaltenstherapeuten, darf ich ihnen mal seine Nummer geben.“

Die Antwort ging leider im aufbrausenden Gelächter unter.

 

 

U-Bahn in Richtung Gropiusstadt

Ein Typ in Springerstiefeln, Armyhose und Amsterdam-Shirt besteigt am Herrmannplatz die U-Bahn. Um diese Uhrzeit ist diese meist nicht so voll und er findet neben einer jungen, deutlich dem Prekariat zuzurechnenden Frau (mit einem leicht asozialen Touch und Dialekt) mit 5 Kindern Platz. Diese Toben, Schreien, Kreischen und terrorisieren den ganzen Wagen. Als der Armytyp der völlig überforderten Prekariatstante mit deutlichem „Cindy aus Marzahn-Image“ einen genervten Blick zuwirft sagt diese noch genervter als der Kerl“ Scheiß ficken, so was kommt davon“. Der Mann lächelt gequält und meint sehr ironisch. “ja Euthanasie gibt’s je net mehr.“ Darauf sie wieder“ euter… was? Ja ähm wäre wohl wirklich besser gewesen“.

Dass der Mann sie völlig irritiert ansah und ich nebenan in schallendes Gelächter ausgebrochen bin muss ich wohl net erwähnen.

 

 

Sportclub in Berlin

Ein Mann trainiert schon seit 2 Stunden, sitzt gerade beim Bankdrücken und macht Pause. An dem Gerät direkt vor ihm trainieren zwei junge, vielleicht 20 Jahre alte Männer. Ein Türke und ein blonder Deutscher. Die Witze der Beiden sind recht flach und deuten auf häufigen Genuss des Unterschichtenfernsehens von RTLII hin. Sagt der Blonde als die Beiden fertig sind:“ so wir gehen jetzt rüber auf die Matten zum Bauchtraining“. Darauf der Türke“ eh Mann, das sieht immer so schwul aus da“. Erwidert leicht amüsiert der Blonde: „na und, du bist doch schwul“ Der Mann beim Bankdrücken glaubt nicht richtig zu hören und grinst in sich rein. Der junge Türke ist völlig empört und blafft seinen blonden Kumpel an“ ich bin nicht schwul Alter, selber Schwuchtel.“ Darauf lächelt der besagte Deutsche und meint “du hast mir gestern einen geblasen… hallo, du bist schwul.“ Der Mann beim Bankdrücken bricht  daraufhin in Prusten aus und der Türke guckt ihn konsterniert und böse an, kommt rüber gestiefelt und blafft“ was gibt’s da zu lachen Alter, ich fick Dich gleich.“ Daraufhin stapft er wütend in Richtung der Matten zum Bauchtraining. Der Blonde beugt sich zu dem amüsierten Mann und meint „Ich sag’s doch. Schwul“ und folgt ihm.